Die Kräfte der dritten Dimension:

Ein kurzer Abriss zur Geschichte der deutschen Fallschirmjäger- und Luftlandetruppe

 

Eine detaillierte Chronik der deutschen Fallschirmjäger- und Luftlandetruppe haben wir hier zusammengestellt:

Generationen unterm Fallschirm – Chronologische Geschichte der deutschen Fallschirmjäger- und Luftlandetruppe (c) 2026 BDF

 

Entstehung und Einsatz im 2. Weltkrieg

Wer als erster die Idee zum Fallschirmsprung hatte, ist nicht bekannt. Dokumentiert ist jedenfalls ein funktionsfähiger Entwurf eines Fallschirms des Renaissance-Universalgenies Leonardo da Vinci. Mit der Verbreitung des Ballonfahrens fanden seit dem 18. Jahrhundert vermehrt Fallschirmabsprünge statt. Es war die deutsche Käthe Paulus, die den zusammenfaltbaren Fallschirm erfand und damit selbst zahlreiche Absprünge aus über 1000 m Höhe durchführte.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Luftschiffen und Flugzeugen auch im militärischen Bereich zu Ende des 19. Jahrhunderts fand der Fallschirm als Rettungsgerät für fliegendes Personal Verwendung. Die Idee, Luftlandungen hinter feindlichen Linien auch mit Fallschirmen durchzuführen, entstand während des ersten Weltkriegs. Einzelne kleine Kommandounternehmen sind dokumentiert. Es war dann der amerikanische Generalmajor Mitchell, der für 1919 plante, eine ganze Infanteriedivision mit Fallschirmen hinter den deutschen Linien abzusetzen.
In den Folgejahren experimentierten die Streitkräfte mehrerer Staaten mit der Idee einer Fallschirmjägertruppe, und es war insbesondere die Rote Armee, die zu Beginn der 1930er Jahre die erste, taktisch einsetzbare, Fallschirmjägertruppe aufstellte.

Die deutsche Wehrmacht begann 1936 mit der Aufstellung einer solchen Truppe, vor allem aus Personal der Polizeiabteilung z.b.V. Wecke, dem Regiment General Göring, und Teilen der SA-Standarte Feldherrenhalle. Die Fallschirmjägerregimenter 1 und 2 wurden unter dem Kommando von Generalmajor Kurt Student in der 7. Fliegerdivision zusammengefasst. Damit gehörte die Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht zur Luftwaffe. Ergänzt wurde sie durch die Umgliederung der 22. Infanterie- zu einer Luftlandedivision des Heeres, später abgelöst von der 91. Infanteriedivision mit dem Fallschirmjägerregiment 6.

Neu war die von General Student forcierte Idee, diese Truppe nicht nur taktisch, sondern vor allem auch operativ einzusetzen. Im Verlauf des zweiten Weltkriegs waren Fallschirmjäger der Wehrmacht an zahlreichen Operationen beteiligt. Am bekanntesten sind die Teilnahme an der Schlacht um Narvik, die Eroberung der Brücken am Albertkanal und des belgischen Sperrforts Eben Emael, der Einsatz am Kanal von Korinth, die Eroberung Kretas, der Einsatz in der Schlacht um Monte Cassino, und der letzte Sprungeinsatz beim Unternehmen Stößer während der Ardennenoffensive.

Einige der überraschenden militärischen Erfolge wurden durch die nationalsozialistische Propaganda überhöht und die erheblichen Opfer verklärt. Ein Beispiel dafür ist die Schlacht um Kreta, bei der die Frage entsteht, ob die enorm hohen Verlustzahlen im Verhältnis zum erzielten Effekt stehen. Gleichzeitig wurden die deutschen Luftlandeoperationen auch von alliierter Seite mit großem Respekt wahrgenommen und beeinflussten den Aufbau eigener Fallschirmjägerverbände in Großbritannien und den USA ab Anfang der 1940er Jahre.

Lange Zeit verdrängt, nach heutigen Forschungsstand jedoch klar dokumentiert, ist die Beteiligung auch deutscher Fallschirmjäger an Kriegsverbrechen. Zum Kriegsende gehörten weit über 200.000 Soldaten der Fallschirmjägertruppe an.

Eine detaillierte Darstellung der Geschichte der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht findet sich in der von BDF und damaligem MGFA unterstützten Buchreihe von Karl-Heinz Golla, Hans-Martin Stimpel und Günter Roth, die 2001-2010 im Mittler Verlag erschien. Eine kritische, in Teilen auch diskussionswürdige Sicht auf aktuellem Stand der Forschung vermittelt der vom Militärhistorischen Museum Dresden 2021 veröffentlichte Begleitband zur dortigen Sonderausstellung „Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger“.

 

 

Luftlandetruppe der Bundeswehr

Mit dem Aufbau der Bundeswehr entstand ab 1956 eine neue deutsche Fallschirmjäger- und Luftlandetruppe. Personell getragen war dieser Aufbau von Angehörigen der ehemaligen Fallschirmjägertruppe, nun als Teil der Infanterie des Heeres. So wurden Teile der Kriegsgeneration zur Aufbaugeneration der Luftlandetruppe der Bundeswehr. In Technik und Struktur der neuen Fallschirmjägertruppe erkennt man auch US-amerikanische Einflüsse.

Mit dem weiteren Aufwuchs der Bundeswehr in der Zeit der Blockkonfrontation und des Kalten Krieges wurde in den Heeresstrukturen II-IV auch die Luftlandetruppe erweitert. So gehörten die Luftlandebrigaden 25 (Schwarzwaldbrigade) und 26 (Saarlandbrigade) zur 1. Luftlandedivision, ab 1970 ergänzt um die Luftlandebrigade 27 (später 31, Oldenburgische Luftlandebrigade). Von ursprünglich zwei Bataillonen erweiterte man die Brigaden auf jeweils drei aktive und ein nichtaktives Fallschirmjägerbataillon.

Sehr detailreich schildert das 1995 im Barett Verlag erschiene Buch „Fallschirmjäger – Die Geschichte der 1. Luftlandedivision 1956-1994“ die ersten Jahrzehnte der Bundeswehr-Fallschirmjäger.

 

 

Fallschirmjäger der NVA

Mit Befehl 61/59 vom 03.12.1959 wurde ab Anfang 1960 mit der Aufstellung eines Luftlandebataillons in der NVA begonnen. In Prora auf der Ostseeinsel Rügen begann die Formierung des Motorisierten Schützenbataillon 5 (MSB-5), das 1962 in Fallschirmjägerbataillon 5 (FJB-5) umbenannt wurde.

Im Oktober 1967 wurde erstmals das neue Fallschirmsprungabzeichens der NVA verliehen. Am 23.09.69 erhielt das Fallschirmjägerbataillon den Namenszusatz „Willi Sänger“, wurde 1971 in FJB-2, 1972 dann in FJB-40 umbenannt.

Während der Schneekatastrophe im Winter 1978/79 war das Bataillon im humanitären Einsatz auf Rügen.

1981-82 verlegte das FJB-40 nach Lehnin. Es folgte die Umbenennung und Umstrukturierung zum Luftsturmregiment-40 (LStR-40).

Im November 1989 verlegten Teile des Verbandes nach Leipzig. Zum Einsatz gegen die Montagsdemonstrationen kam es jedoch nicht. Nach der Überführung in die Bundeswehr zum 03.10.1990 erfolgte am 30.07.1991 die Auflösung des LStR-40.

Detailliert dargestellt ist die Geschichte der NVA-Fallschirmjägertruppe im 1992 von Karl-Heinz Dissberger verlegten Buch „Vom Himmel auf die Erde ins Gefecht – Die Fallschirmjäger der Nationalen Volksarmee.

 

Luftlandetruppe in der gesamtdeutschen Bundeswehr

Das Ende des Ost-West-Konfliktes und die deutsche Wiedervereinigung brachten mit der Verwirklichung der Armee der Einheit eine grundlegende Umstrukturierung der deutschen Luftlandetruppe. In der nun folgenden Epoche größerer Auslandseinsätze veränderte sich für die „Generation Einsatz“ der Fokus von Landes- und Bündnisverteidigung immer mehr zu internationalem Krisenmanagement.

Die 1. Luftlandedivision wurde 1994 aufgelöst, die verbliebenen Brigaden dem Kommando Luftbewegliche Kräfte/4. Division unterstellt. Nach Auflösung der Luftlandebrigade 25 wurde 1996 das Kommando Spezialkräfte in Calw neu aufgestellt. Ab 2001 erfolgte die Umgliederung zur Division Spezielle Operationen (DSO) in Regensburg. Nach dem Umzug ins hessische Stadtallendorf wurde  diese 2013 in die  Division Schnelle Kräfte (DSK) überführt und in Teilen umgegliedert. Dieser wurde 2014 die niederländische 11. Luchtmobiele Brigade unterstellt,  2023 erfolgte die Unterstellung der Gebirgsjägerbrigade 23 unter die DSK.

Eine wesentliche Veränderung für die deutsche Fallschirmjäger- und Luftlandetruppe brachte die Einnahme der Struktur „Heer 2011“. Ab Ende 2014 bis April 2015 erfolgte nach der Auflösung der beiden Luftlandebrigaden 26 und 31, einschließlich ihrer Bataillone, die Aufstellung der Luftlandebrigade 1 (Saarlouis), mit den Fallschirmjägerregimentern 26 (Zweibrücken/Merzig) und 31 (Seedorf).

2015 wurde die Luftlande- und Lufttransportschule zum Ausbildungsstützpunkt Luftlande- und Lufttransport umgegliedert und dem Bereich Lehre/Ausbildung der Infanterieschule in Hammelburg unterstellt. Im April 2021 erhielt das „Mutterhaus der Fallschirmjäger“ seinen Traditionsnamen Luftlande-/Lufttransportschule zurück.

Als schnell verlegbare „Kräfte der ersten Stunde“ (first in, last out) prägten Fallschirmjäger maßgeblich viele Auslandseinsätze der Bundeswehr. Beginnend mit dem ersten Kontingenteinsatz UNOSOM in Somalia 1993, über die Einsätze IFOR, SFOR, KFOR auf dem Balkan (Bosnien-Herzegowina, Kosovo), Opertion Enduring Freedom, ISAF und Resolute Support in Afghanistan, MINUSMA und EUTM Mali bis zur Ausbildungsunterstützung in Erbil/Nordirak, stets waren Angehörige der deutschen Fallschirmjäger und Luftlandetruppe sowie des Kommando Spezialkräfte im Einsatz.

Auch an den bisherigen Militärischen Evakuierungsoperationen Libelle (1997), Pegasus (2011), Kabul (2021) und Sudan (2023) waren vor allem Fallschirmjäger, Spezialisierte Kräfte und Spezialkräfte beteiligt.

 

Ein wichtiges Anliegen ist es uns, an die in den Auslandseinsätzen gefallenen Angehörigen unserer Truppe zu erinnern:

+ 19.07.2008, Operation Althea, Banja Luka (Bosnien/Herzegowina), Hubschrauberabsturz, OLt Tim Heinen und OFw Zoran Krakic, beide Luftlandeaufklärungskompanie 260

+ 06.08.2008, ISAF, nahe Kunduz, Selbstmordattentat, StGefr Patric Sauer, Fallschirmjägerbataillon 263, schwer verwundet, am 04.10.2009 seinen Verwundungen erlegen

+ 27.08.2008, ISAF, Char Darreh, IED, HFw Mischa Meier, Fallschirmjägerbataillon 263

+ 20.10.2008, ISAF-Einsatz, nahe Kunduz, Selbstmordattentat, StUffz Patric Behlke und StGefr Roman Schmidt, beide Fallschirmjägerbataillon 263

+ 23.06.2009, ISAF, nahe Kunduz, Unfall während Feuergefecht, HGefr Alexander Schleiernick, Fallschirmjägerbataillon 263, und zwei Kameraden

+ 02.04.2010, ISAF, Karfreitagsgefecht bei Isa Khel, HFw Nils Bruns, StGefr Robert Hartert, und HGfr Martin Kadir Augustyniak, alle FschJgBtl 373

+ 15.04.2010, ISAF, nahe Baghlan, Sprengfalle, Major Jörn Radloff, Unteroffizierschule des Heeres

+ 07.10.2010, ISAF, bei Pol-e Chomri, Selbstmordattentat, OFw Florian Pauli, Fallschirmjägerbataillon 313

+ 25.05.2011, ISAF, Char Darreh, Sprengstoffanschlag, Hptm Markus Matthes, Division Spezielle Operationen

+ 04.05.2013, ISAF, nahe OP North, Feuergefecht, HFw Daniel Wirth, Kommando Spezialkräfte